Das “Salmen” – ein Geheimtipp für Kuschelkonzerte mit den Stars
An der Decke hängt ein Kronleuchter, an der Wand ein breiter, verschnörkelter Spiegel. Die Rede ist nicht von einem Tanzsaal, sondern von der “kleinen” Bühne im Innenhof des “Salmen” in Herbolzheim. Seit 2009 entwickelt sich hier ein Geheimtipp für Liebhaber hochwertiger Konzerte im fast schon privaten Rahmen. Der Mut, eine Konzertreihe dieser Art auf die Beine zu stellen, hat sich für Shadi Bayat, die Organisatorin der “Acoustic Summer Sounds”, ausgezahlt – und sie hat sich sogar Deutschlands größten Radio-Sender mit ins Boot geholt. Shadis Traum: Mehr Kultur nach Südbaden zu bringen.
Herbolzheim? Wo ist das? Mitten in Südbaden, nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt, hat sich innerhalb von nur zwei Jahren ein neuer kultureller Treffpunkt für musikalische Feinschmecker entwickelt: Nur 120 Gäste fasst der Innenhof des “Salmen”, einer Kneipe an der Hauptstraße der 10.000-Seelen-Gemeinde. 2009 hatten dort die “Acoustic Summer Sounds” Premiere, eine Konzertreihe mit Wohnzimmer-Charakter – und hochklassigen Künstlern aus dem Pop-/Rock-Bereich.
(Bild: Alexandra Utz, links, und Shadi Bayat vor der überdachten Bühne im Innenhof)
Es war Liebe auf den ersten Blick – als Shadi Bayat vor rund zwei Jahren das “Salmen” zum ersten Mal betrat und Wirtin Alexandra Utz sie in den Innenhof führte, war der Booking-Agentin sofort klar: “Hier will ich was auf die Beine stellen!” Das Gasthaus blickt auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück; im Lauf der Zeit wurden eine Brauerei, Lagerräume, Eiskeller und Wohntrakt hinzugebaut, und so entstand ein rund 15 mal 15 Meter großer Hof, umgeben von Fachwerk, Sprossenfenstern und durch breite Treppenstufen in mehrere Bereiche unterteilt. “Der Innenhof ist einfach wunderschön”, schwärmt Shadi. Für das gemeinsame Projekt haben alle zusammengeholfen: Shadi, Alex, viele Freunde und Bekannte renovierten, nähten einen großen Vorhang zur Dekoration, stellten Pflanzen auf. Dann ging es an die Planung der Konzerte. Dank Shadis zahlreicher Kontakte in der Musikbranche fanden sich schnell hochkarätige Künstler, die gerne im “Salmen” auftreten wollten. Im ersten Jahr kamen unter anderem Elli Erl und Black Phoenix. Auch Deutschlands größter Radiosender, SWR3, bekam Wind von der kleinen, aber feinen Konzertreihe – und bot sich prompt als Medienpartner an. Eine bessere Werbung können sich die “Acoustic Summer Sounds” eigentlich nicht wünschen.
Die tolle, familiäre Atmosphäre bei den Konzerten sprach sich schnell herum, und auch in diesem Jahr konnten Musikliebhaber wieder Künstler ganz hautnah erleben. Gregor Meyle, Hans Söllner, Thomas Godoj, Nevio und Wallis Bird spielten im Hof – und gingen auf Tuchfühlung mit dem Publikum. “Die Leute sollen das im kleinen Rahmen genießen können und anschließend mit den Künstlern locker im Hof plaudern.” So simpel ist Shadis Rezept für ein gelungenes Konzert – und der Plan geht auf. Mittags Grillen im Hof, Späße mit den Künstlern, abends der Auftritt vor Publikum: Extrem familiär, und so soll es auch bleiben: “Ich werde meinem Konzept treu bleiben. Wir werden nicht vergrößern – “Acoustic Summer Sounds”, das ist der Innenhof des “Salmen”.” Es gibt ausschließlich 120 Karten, das hat schon den Touch des Exklusiven.
(Bild: Thomas Godoj trat 2010 mit seiner Band im “Salmen” auf)
Und wenn das das Wetter einmal nicht mitmacht – wird das Konzert dann verlegt oder abgesagt? “NEVER EVER!!! Ich würde niemals ein Konzert absagen! Wir stellen höchstens noch einen Schirm zusätzlich in den Hof.” Geregnet hat es in zwei Jahren übrigens erst zweimal. Beide Male im August 2010. Da nützte es auch nichts, dass Thomas Godoj in seinem Lied “Uhr ohne Stunden” sang: “Sogar der Regen bleibt in der Luft stehen.” Doch Wallis Bird – auch ihr Konzert traf es – schrieb nach dem Gig: “Even the rain couldn’t stop us.” Nass vom Schwitzen, nass vom Regen… egal. “Wenn Du vor der Bühne stehst, versetzt Dich das in eine andere Welt, da spielt das keine Rolle mehr”, ist Shadi Bayat überzeugt – und plant schon längst die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte in 2011.


3. September 2010 um 17:20 Uhr
eine tolle Idee, in diesem kleinen kuscheligen Rahmen exquisite Künstler auftreten zu lassen. Ich hatte Glück und war beim Konzert mit Thomas Godoj dabei. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, den Künstler so “hautnah” zu erleben. Man bekommt jedes Wort, jeden Ton, (unglaublich, was der Mann für eine Stimme hat),jede Regung mit. Das Publikum im Innenhof entwickelt eine eigene Dynamik und da stört auch eine kleine Abkühlung nicht. Die Musiker sind hinterher wirklich mitten unter uns gestanden, haben Fragen beantwortet und sehr geduldig Fotos mit den Fans machen lassen. Für mich ein rund um gelungener Abend, für den sich auch ein weiter Anfahrtsweg gelohnt hat. Bitte mehr davon!